Anita und der Ordner mit 847 Rechnungen
Es war ein ganz normaler Dienstag. Ich war als IT-Techniker unterwegs, Routine-Wartung bei einem Unternehmen, nichts Besonderes. Anita öffnete die Tür — pünktlich, freundlich, Kaffee stand schon auf dem Tisch.
Dann sah ich ihren Bildschirm.

Ordner. In Ordnern. In Ordnern. Eingangsrechnungen von deutschen Lieferanten, Quittungen aus Dienstreisen, irgendein Kassenbon aus dem Supermarkt — offensichtlich "für das Büro" — und dazwischen ernsthafte Rechnungen von internationalen Anbietern, manche auf Englisch, eine auf Arabisch. Alles wartete. Auf Anita.
Ich fragte sie: „Wie lange machst du das schon?"
Sie schaute kurz hoch. „Na ja... das ist meine Arbeit."
Keine Klage. Kein Seufzen. Einfach eine sachliche Antwort.
Anita ist Buchhalterin. Ausgebildet, erfahren, präzise. Sie kennt die Kontenrahmen, sie weiß was ein BU-Schlüssel ist, sie kennt den Unterschied zwischen SKR 03 und SKR 04. Kurz gesagt: sie weiß Dinge, die die meisten Menschen nie lernen werden.
Und sie verbrachte ihre Tage damit, Zahlen von Bildschirm A in Bildschirm B zu übertragen.
Nicht weil sie musste. Nicht weil es keine andere Möglichkeit gab. Sondern weil niemand ernsthaft gefragt hatte: muss das wirklich ein Mensch machen?
In einem Land, das seit Jahren über Fachkräftemangel diskutiert, saß eine Fachkraft und war de facto ein sehr höflicher, sehr gewissenhafter Scanner.
Auf dem Heimweg ließ mich das nicht los.
Nicht im Sinne von „ich werde jetzt die Buchhaltung revolutionieren" — solche Gedanken hatte ich nicht. Sondern etwas viel Konkreteres: was wäre, wenn der Teil der Arbeit, der kein Fachwissen braucht — das Ablesen, das Eintippen, das manuelle Suchen des richtigen EZB-Kurses für eine Rechnung in Dollar vom 14. März — einfach automatisch passieren würde?
Was würde Anita dann tun?
Prüfen. Hinterfragen. Beraten. Die Arbeit machen, für die man sie wirklich braucht.
Aus dieser Frage ist scan2datev entstanden.
Kein großes Versprechen, keine Disruption. Nur ein einfaches Prinzip: schick uns deine Rechnung — egal ob deutsch, englisch oder russisch, egal ob PDF, Scan oder Handyfoto, egal ob Euro, Dollar oder Pfund — und du bekommst eine fertige Buchung zurück, direkt importierbar in DATEV.
Die fachliche Entscheidung liegt weiterhin beim Buchhalter. Das letzte Wort hat immer der Mensch. Wir übernehmen nur den Teil, der kein Fachwissen braucht.
Anita prüft. Wir tippen.
So soll es sein.